Monday, January 16, 2017

Autorenwahnsinn Tag 7: Deine Social Media Präsenzen

Am liebsten bin ich auf Instagram. Aber ihr findet mich auch auf Facebook, Google +, Lovelybooks und *tief Lufthol* Pinterest.

Auf Facebook habe ich zwei Seiten, einmal die Ira Ebner Historical Fiction und mich als Privatperson. Ihr findet mich auf Lovelybooks, interessant für diejenigen, die Leserunden lieben, und außerdem bin ich gerne in Kontakt mit den Lesern. Auf Pinterest sammle ich vor allem Schreibstoff,inspirierende Menschen und Bilder eben. 

Friday, January 13, 2017

Autorenwahnsinn Tag 4 und 5: Dein Schreibgertät und dein Schreibprogramm



Dieses Mal fasse ich Tag 4 und 5, Schreibgerät und -programm zusammen. Seit 2 Jahren besitze ich diesen Laptop, nachdem sein Vorgänger die in Rente verabschiedet wurde. Auf dem aktuellen beendete ich "Cold Britannia", dort entstand "Das deutsche Spiel". 

Viele Autoren schwören auf "Papyrus". Wie ihr seht, arbeite ich mit Word. Für Plot, Charas und das Script selbst habe ich eine jeweilige Datei.   

Thursday, January 12, 2017

Autorenwahnsinn Tag 3: Inspiration für das aktuelle Projekt

Vor 20 Jahren gekauft, heute helfen mir die Passagen über die Résistance.


Unterstützung für die historischen Hintergründe von "Fremde Feuer" finde ich bei einem großen Denker, Europäer und Staatsmann, bei Francois Mitterrand. Er war auch Zeitzeuge und während des 2. Weltkriegs Bindeglied zwischen der Londoner Exilregierung und der Résistance in Frankreich. In "Freiheit ist wie die Luft zum Atmen" berichtet Mitterrand u.a. auch von dieser Zeit. Was er darin schildert, hilft mir, die Rolle der Caroline ein wenig zu untermauern. Die Actionszenen schreibe ich dann freihand.

Auch das Jetzt und Heute liefert mir neue Inspirationen. 2003 war "Fremde Feuer" lediglich die Idee zu einem weiteren historischen Roman. Nationalismus, Rassismus, rechtes Gedankengut und Populismus à la Trump, Front National, AfD und Pegida waren schon einmal da und haben die Welt in die Katastrophe gestürzt, Millionen von Toten und Vertriebenen gefordert. Darum habe ich den Plot von damals wieder hervorgeholt. Mit "Schwalben" habe ich mich dem Thema bereits vor einigen Jahren angenähert, die positive Resonanz auf dieses Buch hat mich ermutigt, "Fremde Feuer" mit der Stimme und dem Wissen von 2017 zu schreiben.

Caroline ist als Flüchtling nach England gekommen. Krieg und Besatzung haben ihre Lebensplanung zerstört. Für die Ausarbeitung und Weiterentwicklung ihrer Rolle nehme ich die Asylsuchenden von heute zum Vorbild: Frauen und Männer, die sich ihrer neuen Heimat als dankbar erweisen, die Sprache lernen, Arbeit finden und Freundschaften schließen. Aber sie bekommt auch die Ablehnung und Vorurteile zu spüren. Obwohl Caroline integrationswillig ist, wird sie immer zwischen zwei Kulturen hin- und hergerissen sein. Ähnlich wie die Flüchtlinge von heute wird sie auch auf Rückkehr in ihre Heimat und auf Frieden und Freiheit hoffen.

Tuesday, January 10, 2017

Mein Schreibjahr 2016 - Autorenwahnsinn #1



Bis September war 2016 eines meiner produktivsten und kreativsten Schreibjahre. Gleich zu Beginn, im Januar, erschien meine Nordengland-Saga "Cold Britannia". Mit diesem Roman entdeckte ich eine neue Seite an mir, die ich 2015 und 2016 mit "Das deutsche Spiel" weiter auslebte.

Dieses Projekt, das Politthriller und Gesellschaftsroman in einem ist, wechselte einige Male seinen Namen. Sagt nicht ein arabisches Sprichwort, dass man jemanden, den man sehr liebt, viele Namen gibt? Soweit ist das wahr: Emotional hat mich noch kein Buch, das ich zuvor geschrieben habe, derart berührt wie "Das deutsche Spiel". Dabei geht es nicht einmal um Herzschmerz, sondern um Wahlkampf, Intrigen, Ideale, Freundschaft und darum, Würde und Haltung zu bewahren, wenn es andere nicht tun. Es machte mir auch einen Riesenspaß, mit der Sprache zu spielen und einen neuen Klang zu finden - rasant, modern, etwas herb und doch bildreich. Im September konnte ich Arne Steenborg ein vorerst letztes Mal auf die Bühne schicken und den Vorhang fallen lassen. Ich habe im November die Schauplätze in Berlin besucht, um nochmals in die Geschichte hineinzuspüren. Jetzt liegt "Das deutsche Spiel" bei meiner Lektorin auf dem Tisch und bekommt seinen Feinschliff. Im Frühjahr/Sommer dieses Jahres wird mein 5. Roman erscheinen. Instagram, ich komme!

Sobald das Ende eines Romans in Sicht ist, befällt mich die stille Panik, was ich als nächstes schreiben werde und ob ich nicht schon alles geschrieben habe? Ich spiele mit dem Gedanken, mit dem Schreiben zu pausieren und stattdessen lieber Bleistift und Papier zur Hand zu nehmen und wieder zu zeichnen. Seien es Gesa und Arne bei ihrem Spaziergang am Spreeufer, oder wie ich mir das Kostüm vorstelle, das sie auf dem Parteitag trägt, oder die violette Abendrobe mit Stola, in der sie zu einem Ball voller Eitelkeiten und Sticheleien im Adlon erscheint ... Doch der Vorsatz hält nicht zu lange. So gerne ich wieder zeichnen würde wie früher - die Zeit habe ich nicht mehr. Ich muss mich auf die Sache konzentrieren, die ich besser beherrsche, also das Schreiben.

Ich komme noch zu den Inspirationen, doch vorweg: Die Stimmung in Deutschland und Europa lässt gewisse Parallelen zu. Das Schreiben war für mich immer Bewältigung, Auseinandersetzung und Schutzwall zugleich. Ich fand zu einem Plot aus dem Jahr 2003 zurück und so hatte ich wieder einen Inspirationsflash. Im November begann ich hochmotiviert mit "Fremde Feuer Teil 1: Der Abgrund einer Welt". Aber ich merkte bald, dass mich Job, Familie und das bayerische G8 ausbremsten und ich stecken blieb, wo eigentlich die Handlung ihren Lauf nehmen sollte. Zu Jahresende kamen endlich wieder ruhigere Tage und zum Glück konnte ich den Knoten wieder lösen. Inzwischen sind vier Kapitel geschrieben und Ideen habe ich genug, dass sie für eine Trilogie reichen. Eines aber hat mich 2016 gelehrt: Gehe deine Projekte gelassener an, und so werde ich mir neben den Korrekturen am "deutschen Spiel" noch so manche Notizen zu "Fremde Feuer" machen.

Saturday, January 7, 2017

Die wahre "Königin der Costa Blanca": Rezension zu "Frau mit Grill Teil 2" von Sabine Ibing

Sie ist wieder da. Sophie, die "Frau mit Grill". Vergangenes Jahr durfte ich die Bekanntschaft mit der durchtriebenen Narzisstin Sophie Barradon im gleichnamigen Roman von Sabine Ibing machen. Zur Erinnerung: Die rothaarige alterslose Schönheit (sie ist 60), Produkt der plastischen Chirurgie und diverser Luxuslabels, trieb ihre Männer an den Rand des Wahnsinns und des finanziellen Ruins. Bis sie am Ende den reichen, aber betagten Victor Bäsch heiratete - und ihre Apanage für Promi-Friseurbesuche und Shoppingtouren durch Nobelboutiquen per Ehevertrag geregelt wurde. Blöd nur für Sophie, dass Victor auch noch ein wohltätiger Mensch ist ...

Das Cover (von Tom Jay) sticht sofort ins Auge. Die Motivwahl gefällt mir sehr gut.


Jetzt hat Sabine Ibing die Fortsetzung "Die Königin der Costa Blanca" geschrieben, die seit 01. Dezember 2016 erhältlich ist. Das Scheusal ist zurück und hat mit der spanischen Putzfrau Maria und deren Freund Alejandro Gesellschaft bekommen, denn ihr und Victors Lebensmittelpunkt ist in Spanien. 
Maria de la Concepcion Imaculada putzt die Appartments der betuchten Eigentümer der Wohnanlage. Einst träumte sie von einer Modelkarriere, als Entschädigung für ihren gescheiterten Traum "leiht" sie sich die teuren Kleider verreister Bewohnerinnen und geht mit Alejandro aus. Auch Sophies breitkrempige Hüte fallen ihr auf. So kommt es eines Tages, dass durch eine Ungeschicklichkeit Marias Victor so unglücklich stürzt, dass er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wird. Herrlich oberflächlich wird hier Sophie beschrieben: Sie wendet sich in der Zwischenzeit seichten Liebesromanen zu, auf die sie sich dann doch nicht konzentrieren kann. Nicht etwa aus Sorge um das Befinden ihres Ehemanns, sondern, ob er vorzeitig stirbt und sie nicht in Genuss seiner Rente kommt. Auch Victors Neffe, der katholische Geistliche Franz, stellt sich als Rivale im Erbstreit dar. Denn wozu soll Geld für die Erhaltung einer Orgel verschwendet werden, wenn man es auch für Versace und Louis Vuitton ausgeben kann? Schnell wird im Allgäu das Haus ausgeräumt, denn Franz wird kein einziges Möbelstück gegönnt.

Und jetzt tritt Alejandro auf den Plan. Er beglückt ältere verwitwete Engländerinnen, bei denen es auch etwas zu holen gibt. Ein lukratives Geschäft. Auch Sophie gegenüber erweist er sich als charmant, wenn es ihm auch an Manieren fehlt, wie sie feststellt. Da auch alle in der Wohnanlage so gemein zu Sophie sind - ihre Verflossenen und die dicke Berta, die Seele und Bildzeitung der Anlage - will sie wegziehen. Beim Kauf eines Apartments in Altea, dem "Hollywood der Costa Blanca" aufgrund seiner Promi- und Russendichte, ist ihr Alejandro äußerst behilflich ... Ob der spanische Immobiliendeal gut geht? Alejandros Part ist die Parallelgeschichte zu Sophie und mit dem Spanier mit Ronaldo-Frisur hat Sabine einen ebenfalls wenig sympathischen, dafür aber umso schillernden Charakter hinzugefügt.

Apropos Russendichte. Sophie macht Bekanntschaft mit Oleg, einem ukrainischen Oligarchen. Der bringt sie auf die Idee, Bloggerin für Lifestyle zu werden. Was würde auch anderes zu Sophie passen? Süchtig nach Anerkennung und nach Glamour, immer im Mittelpunkt, immer die Schönste und dabei die Verachtung ihrer Mitmenschen in der Seele - genau das arbeitet Sabine Ibing wieder gelungen bei Sophie heraus. Doch nicht nur, denn der scheinbar oberflächliche Charakter hat auch eine traurige Seite:

Immer wieder bekommt Sophie Anfälle von Selbstmitleid. Ihre Männer hätten sie nicht geliebt, sondern nur verarscht und schlecht behandelt. Sie gerät in Zweifel, ob sie jemals Liebe erfahren hat. Ihr neues Wirkungsfeld als Modebloggerin trägt auch nicht zu ihrem Seelenheil bei. So beschreibt Sabine Ibing treffend:

"Wieder bestimmte die Ebbe Sophies Seele. Likes fluteten tagsüber ihre Gefühle, Wellen des Glücks mit bewundernden Postings. Am späten Abend kehrte die Ebbe zurück, wenn sie allein vor dem Fernseher saß, die Rotweinflasche auf dem Tisch, Lachen von draußen, fröhliche Stimmen aus den Nachbarwohnungen ..."

So mag es vielen gehen - quer durch alle Schichten - die sich über Klicks, Likes, Follower und Kommentaren in den sozialen Netzwerken definieren. Virtuelle Freunde sind nicht unbedingt immer echte Freunde und dämpfen die Einsamkeit kaum. Im Gegenteil. Manche Menschen fühlen sich trotz 1000 Facebook-Freunde ziemlich leer. 
Genau solche Passagen geben den Büchern von Sabine Ibing bei ihrem flüssigen und beschwingten Erzählstil auch etwas Nachdenkliches, mit dem man sich im Alltag und seinen eigenen Gedanken wiederfindet.

Auch den zweiten Teil von "Frau mit Grill sucht Mann mit Kohle" kann ich weiterempfehlen. Wer den ersten Teil nicht gelesen hat, kommt hier gut rein, weil die Personen um Sophie schnell vertraut werden, auch die neuen Figuren. Wer wie ich bisher noch nie in Spanien war, kann sich dank der detailreichen und bunten Beschreibungen gut an die Schauplätze versetzen. "Die Königin der Costa Blanca" ist eine kurzweilige Lektüre, die bei aller Skurrilität Sophies dennoch Tiefgang hat. Denn hier erwartet uns keine zuckrige Klischeewelt der Reichen und Schönen à la "Sturm der Liebe" oder wie in den Milliardärs-Schmonzetten, sondern ein realistischer Einblick hinter die Fassaden - und das wortwörtlich. Eine Protagonistin muss auch nicht unbedingt sympathisch sein, oder sämtliche Vorbildfunktionen einnehmen. Sie darf ekelhaft, abstoßend, zickig, gemein und unfreiwillig komisch sein, und damit nimmt sie den Raum komplett ein. So wie Sophie eben, die wahre "Königin der Costa Blanca".

Monday, December 12, 2016

12 Days of Christmas - Weihnachtsspecial "Cold Britannia"

Zum 12. Tag der Weihnacht ("12 Days of Christmas") und weil es bis zum Erscheinungstag meinem nächsten Roman noch eine Weile dauert, kommt die versprochene Leseprobe aus Cold Britannia. Es ist Weihnachten in England 1984 und aus dem Nichts soll trotzdem eine Christmas Party gezaubert werden. Klar, dass alle zusammenhelfen müssen.

Den kompletten Roman könnt ihr überall kaufen, wo es Bücher gibt, oder direkt bei mir; ist auch als E-Book erhältlich. Viel Freude beim Lesen!





 *

„Es gibt noch gute Nachrichten, Genossinnen“, wandte sich Hester im Welfare Club an die Frauen.
Sie hob den Brief unter ihre Augen und fuhr fort: „Die Spendenbereitschaft aus dem Ausland ist groß. Der französische CGT hat für das Weihnachtsfest Hähnchen geschickt. Ist das etwa keine gute Nachricht? Außerdem sind bei der Spendenaktion, die die Labour und Ben Kingsley unterstützt haben, mehr als eine Million Pfund zusammengekommen. Niemand wird zum Fest leer ausgehen. Wir werden für die Familien eine kleine Feier machen.“
Bei diesen Neuigkeiten zeigte sich ein Lächeln auf den Gesichtern.
„Nun gut, Hester“, sagte Joanne Bailes. „Wenn du die Feier mit uns organisieren willst, wenn du die Hähnchen hast, werden wir dir auch helfen. Es wäre doch schade darum.“
„Ich mache die Mince Pies!“, bot sich sogleich Fiona an.
„Ich bringe die Äpfel für die Füllungen!“, erhob sich Amy.
„Ich helfe, den Raum zu dekorieren!“, erklärte sich Cynthia bereit.
„Wer macht den Weihnachtsmann für die Kinder?“, fragte Amy. „Unser Vorsitzender?“
Alle lachten. Auch Hester.
„Na, fragen wir ihn!“, entgegnete sie, und als sich die kurze Heiterkeit legte, sagte sie: „Machen wir eine Liste, wer was vorbereitet.“

Joanne trat für Hester einen Schritt zur Seite. Sie nahm den Kugelschreiber und fertigte eine Liste an. Als sie genügend Spalten und Zeilen gezogen hatte, reichte sie Hester den Kugelschreiber und bat sie, sich als Erste einzutragen.
Hester hielt inne. Sie sah den Frauen in ihrer Betriebsamkeit zu. Amy, Fiona, Cynthia. Wenn der letzte Streiktag kam, würden die sich nicht mehr an den Herd zurückdrängen lassen.
 Kurz vor dem Fest stand Hester in der Küche ihrer Mutter und machte mit ihr weitere Mince Pies. Der Whisky durchtränkte das Trockenobst und vermischte sich mit dem Geruch frischer Äpfel. Genauso durchtränkten Lorraine die Weihnachtschoräle und die alten Erinnerungen.


„Bist du jetzt glücklich?“, fragte sie Hester.
Hark! The Herald Angels Sing.
Die sah ihre Mutter an und entgegnete: „Ja. Und wie geht es euch? Wie kommt ihr zurecht?“
Lorraine wiegte den Kopf hin und her.
„Es muss gehen“, antwortete sie.
O Come All Ye Faithful.
Hester glaubte ihrer Mutter nicht. Sie holte das Portemonnaie aus ihrer Tasche und legte eine Zehn-Pfundnote und eine Zwanzigernote auf den Küchentisch. Lorraine lehnte ab und sagte, sie brauche das Geld doch selbst. Hester bestand darauf, dass ihre Mutter die dreißig Pfund nahm. Lorraines Dauerwelle war längst herausgewachsen. Sie hatte auf vieles verzichtet.
„Ich komme zurecht“, sagte Hester. „Es muss gehen, das sagst du auch.“

Weihnachten 1984
Als ich gestern Abend nach Hause kam, eilte die Nachbarin auf mich zu und fragte, ob sie mir gleich eine Spende für die Familien geben könnte. Ich war überrascht, denn sie hatte sich vorher ziemlich komisch benommen. In letzter Zeit ist sie allerdings etwas aufgetaut und grüßt einen. Anscheinend lebt sie inzwischen gut damit, dass Jim und ich unter einem Dach wohnen. Also gab mir die Dame von nebenan 15 Pfund. Eine großzügige Spende, für die ich mich bedankte.
Im Welfare Club machten Jim, ich und die anderen von der Gewerkschaft und dem Frauenkomitee eine Feier für die Kumpels und ihre Familien. Ich frage mich, was aus den riesigen Truthähnen in der Tiefkühltruhe des Tesco-Markts wird, wenn sich dieses Jahr niemand einen großen Festtagsbraten leisten kann. Heute kamen beinahe alle Familien aus Sherthorpe zusammen, die ich kenne. Jim verkleidete sich tatsächlich als Weihnachtsmann und machte Späße für die Kinder. Nicht nur die Kinder hatten etwas zu lachen, sondern endlich auch wir. Auf den blassen Gesichtern, die jeden Tag in den Club kommen, um sich ihre Pakete abzuholen oder sich in ihrer Verzweiflung mit ihren Rechnungen und Mahnungen an uns wenden, schien endlich einmal für einen Augenblick die Sonne. Einen Augenblick lang durften wir vergessen und uns freuen. Mein kleiner Weihnachtsbaum aus Lametta und Lichtern steht in der Scheibe des Escorts. In meinem früheren Zimmer wäre er nur verstaubt und dort erfreut er alle.
Man freut sich über gebratene Hähnchen, Mince Pies und Süßigkeiten. Man freut sich an Weihnachten 1984 über die kleinen Dinge und rückt näher zusammen. Ich hatte Ben auf dem Schoß und seine Freude übertrug sich auch auf mich, während er an einer Hähnchenkeule kaute. Eine Hähnchenkeule …
Die Wünsche der vergangenen Jahre sind lächerlich. Es war so selbstverständlich, in den Katalogen zu blättern und in den Geschäften etwas zu entdecken, was man unbedingt geschenkt bekommen wollte. Oder glaubte, unbedingt unter dem Baum finden zu müssen. Mir geht es, verglichen mit meinen Eltern und Mike und Cynthia, noch am besten. Also findet das Festessen bei mir statt. Ein Truthahn! Auch wenn er dieses Jahr teurer scheint als früher, es ist eben Tradition. Und ich gebe gerne, will, dass alle glücklich sind.
An Weihnachten 1984 denke ich anders über meine Wünsche von früher, und wenn man mich fragt, was ich mir für 1985 wünsche, sage ich, dass niemand in meiner Familie Not leiden soll und unversehrt bleiben möge. Wirklich unversehrt, was bedeutet, niemals eingesperrt, verletzt und von anderen misshandelt zu werden.
Ich habe Jim Die Geschichte der Gewerkschaften im Vereinigten Königreich geschenkt. Diesem Buch fehlen noch Kapitel, und das ist die Gegenwart. Und die Zukunft.



© Ira Ebner 2014, 2016